Start Allgemein „Verschwunden: Tatort Cecil Hotel“: Was geschah mit Elisa Lam?

„Verschwunden: Tatort Cecil Hotel“: Was geschah mit Elisa Lam?

747
0

Von Paul Wiemer

 

Schon mal Urlaub in Los Angeles gemacht? Nein? Geht mir auch so. Vermutlich werde ich in meinem Leben diese Stadt niemals besuchen. Doch wer Zeit, Lust und das nötige Kleingeld hat, in die wunderschöne Stadt im Süden Kaliforniens zu reisen, der sollte sich von einem Hotel auf jeden Fall fernhalten: dem Cecil Hotel auf der 640 S Main Street.

© Netflix

Das „moderne Hotel mit Frühstück“ (wie es bei Google beworben wird) steht im Zentrum des neuesten Shits von Netflix. „Verschwunden: Tatort Cecil Hotel“ heißt diese 4-teilige Miniserie. Jetzt weiß man mittlerweile seit meinem letzten Blogeintrag, dass ich ein Bekenner des Genres „True Crime“ bin – somit komme ich natürlich nicht umhin, über diese Serie zu schreiben.

https://www.youtube.com/watch?v=ik6d4pF0idw

Worum geht es? Die 21-jährige kanadische Studentin Elisa Lam hat von ihrer Heimatstadt Vancouver genug und möchte einen Schritt in die Selbstständigkeit machen. Was liegt da näher als ein cooler Westcoast-Trip nach Kalifornien? Soweit, so wenig verwunderlich. Elisa reist nach San Diego, bleibt dort ein paar Tage und kommt schließlich am 26. Januar 2013 in „La-La-Land“ an.

Sie steigt im Cecil Hotel ab. Und diese Bleibe hat es in sich: Es ist vermutlich die ekelhafteste, schmierigste und gefährlichste Option, eine Nacht in Los Angeles zu verbringen. Das Hotel mit 700 Zimmern ist seit Jahrzehnten der Schauplatz von Morden, Vergewaltigungen und Drogenmissbrauch. Manchmal auch alles in einem Zimmer. In einer Nacht. Schlicht: Es ist der Vorhof zur Hölle.

© Netflix

Die Lage des Hotels macht es auch nicht besser. Es liegt direkt an der Skid Row, einer Gegend, in dem die Obdachlosigkeit hoch ist und Drogenkonsum und Gewalt an der Tagesordnung sind.

Seit dem 1. Februar 2013 wird Elisa schließlich als vermisst gemeldet. Ihre Eltern hören nichts mehr von ihr und machen sich – wie sich herausstellt – berechtigte Sorgen.

Das LAPD wird eingeschaltet und ermittelt. Entführung, Flucht oder doch was ganz anderes?

Bei der Recherche taucht ein Überwachungsvideo aus dem Hotel-Fahrstuhl auf:

https://www.youtube.com/watch?v=_rfLSVIA0L0

Es zeigt Elisa in ihren vermutlich letzten Minuten – bizarre wie beängstigende Aufnahmen. Um die Bevölkerung zur Mithilfe aufzurufen, veröffentlicht das LAPD dieses Video, und es geht international viral. Rund um die Welt schalten sich Menschen ein, um den Clip genau zu analysieren, unzählbare Blogger und Youtuber machen sich dran, den Fall zu lösen.

In kürzester Zeit gibt es Millionen von Menschen, die sich mit dem Verschwinden der Studentin befassen. Eine Theorie ist dabei obskurer als die andere. Es gibt auch Menschen, die nur deswegen nach L.A. kommen, um sich das Cecil Hotel anzuschauen und herauszufinden versuchen, was Elisa Lam hier passiert sein könnte.

© Netflix

 

Die Motivation der Beteiligten in allen Ehren, aber das Internet ist nicht nur ein Ort, an dem Menschen zusammenfinden, um Positives zu tun. Sehr schnell kann man sich auch auf vermeintliche Täter einschießen, die gar nichts mit dem Verbrechen zu tun haben. So erging es auch dem mexikanischen Musiker Morbid. Der wurde aufgrund einiger gruseliger und brutaler Musikvideos kurzerhand von einigen der selbsternannten „Online-Schnüffler“ zu Elisa Lams Mörder erklärt – ohne Beweise, doch mit fatalen Folgen für das Leben des Künstlers: Pablo Vergara, wie Morbid mit bürgerlichem Namen heißt, wurde aufgrund der zahlreichen Beschuldigungen und Todesdrohungen depressiv, versuchte sogar, sich das Leben zu nehmen. Er überlebte und hilft heute Opfern von Cybermobbing.

Eine weitere Person, die für mich im Mittelpunkt der Dokumentation steht, ist Amy Price, ehemalige Hotel-Managerin des Cecil Hotels. Ich schwanke zwischen Faszination für ihre Taffheit und Entsetzen, wie sie das Tagesgeschäft mit all seinen Grausamkeiten in Kauf genommen hat. Frei nach dem Motto: Another day in the office.

Der Fall von Elisa Lam ist nach wie vor ein Rätsel. Wie um alles in der Welt ist sie an dieses Hotel gekommen? Schon vor Ihrer Buchung dort wurde dieses Hotel in die Top 10 der gruseligsten und gefährlichsten Hotels der USA aufgenommen. Selbst Serienkiller Richard Ramirez (Ihr erinnert euch an „Night Stalker“? LINK ZUR REVIEW) hatte dort in den 80ern ein Zimmer und kam nachts nach seinen Morden blutüberströmt ins Hotel zurück. Es hat niemanden Interessiert.

Diese Netflix-Serie spielt mit dem Grusel des Unbekannten und nutzt jede Gelegenheit, das Böse zu suggerieren. Zurecht, es passt einfach alles zusammen. Am Ende sollte man sich trotzdem fragen: Ist es nicht vielleicht doch einfach ein riesiges, schmutziges Hotel in einem Brennpunktviertel? Was geschah mit Elisa Lam – und warum ereilte sie ausgerechnet dieses Schicksal? Was wurde aus dem Cecil Hotel?

Absolut sehenswert.

„Verschwunden: Tatort Cecil Hotel“
Netflix
4 Folgen
FSK: 16 Jahre

 

© Netflix

 

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein